Conversations outside the box #5: Übertragung der Markenkultur auf den Arbeitsplatz

Insights | 24 June, 2020

Jonathan Littman erforscht, wie das Design der räumlichen Arbeitsplatzumgebung entscheidend für die Kultur und Identität von Organisationen ist.

Im Rahmen von Think Work Out of the Box“, unserem Buch über die Transformation von Arbeitsplätzen, hat sich Studio Banana mit Führungskräften aus verschiedenen Branchen zusammengesetzt, um ihre Gedanken zum Thema zu hören, welche Tools und welche Arbeitsumgebung den heutigen Arbeitnehmern am besten dienen können.

Jonathan ist der Gründer und CEO von SmartUp.life: The Innovation Hub, und der Co-Autor der internationalen Bestseller „The Art of Innovation“ und „Ten Faces of Innovation“. Als außerordentlicher Professor für Innovation und Unternehmertum an der Universität von San Francisco ist er ein international anerkannter Experte für beide Bereiche sowie für Tech-Ökosysteme. Er leitet Seminare und hält Keynotes zu Unternehmertum, Startups und Innovation in den USA, Europa und China. Jonathan hat einen B.A. in Rhetorik von der University of California in Berkeley.

Hier ein Auszug aus unserem Gespräch darüber, wie wichtig es ist, die Kulturlandschaft von Organisationen zu analysieren und zu erfassen, um eine Arbeitsplatzumgebung zu gestalten, die diese Kultur auf ansprechende und überzeugende Art und Weise kultiviert und weitergibt.

Viel mehr als nur ein Arbeitsbereich

Studio Banana – Wir möchten die Unterhaltung mit Ihnen auf das Thema der Markenkultur lenken. Sie ist unbestreitbar ein zentraler Aspekt, wenn es darum geht, das Arbeitsumfeld einer Organisation zu konzipieren und zu durchdenken. Wir sehen darin sogar einen Ausgangspunkt für ein Arbeitsplatzprojekt, denn ein tiefes Verständnis der DNA einer Organisation ist der Schlüssel zum Design-Erfolg. Bei Studio Banana glauben wir, dass die Arbeitsplatzumgebung eine Übersetzung und Repräsentation einer Organisation sein, und als solche ihre Werte, Geschichte und Mission verstärken sollte. Da Sie tiefgreifende Untersuchungen leiten und geniale Methoden entwickelt haben, um die Kultur einer Organisation abzubilden, würden wir gerne Ihre aktuellen Beobachtungen zu diesem Thema hören.

Jonathan Littman – Zu Beginn möchte ich meinen Hintergrund erläutern und wie sich mein Weg zum Thema Markenkultur entwickelt hat. Ausgebildet als Journalist und Autor schrieb ich zunächst über verschiedene Themen, viele davon im Tech-Bereich und war unter anderem am ersten Apple Computer Magazin beteiligt. Eine Zäsur erlebte ich, als ich begann, mit IDEO an Büchern über Innovation und Design Thinking zusammenzuarbeiten, wobei ich die Entwicklung des Unternehmens genau verfolgte. Zunächst hatte sich ihre Methodik nicht über das „physische“ industrielle Design hinausbewegt. Aber im Laufe der Jahre konnte ich das Wachstum von IDEO in neue Bereiche mitverfolgen, als sie durch verschiedene Arten von experimentellem Design und Innovation neue Geschäftsfelder eröffneten.

Durch diese prägende Erfahrung wurde ich nachdenklicher und aufmerksamer gegenüber den physischen Gegebenheiten, in die ich eintauchte, wenn ich mich mit Gründern von Start-ups und etablierten Unternehmen traf und sie interviewte. Es wurde tatsächlich zu einem meiner bevorzugten Themen, die physische Umgebung von Unternehmen. Und da ich aus San Francisco stamme, konnte ich schon recht früh die Büros von z.B. Facebook, Yahoo und Apple besuchen.

Ich begann, meinen eigenen kritischen Ansatz zur Arbeitsplatzgestaltung zu entwickeln. Ein erster Aspekt, den ich zu meiner Überraschung beobachtete, ist, dass viele Unternehmen riesige Summen für den Eingang, die Lobby und andere Räume ausgeben, um ihren Erfolg und Reichtum darzustellen. Sie vernachlässigen jedoch oft die sorgfältige Gestaltung der übrigen Räume, um die Kultur ihres Unternehmens zu kultivieren und zu vermitteln.

SB- Wenn wir Sie also richtig verstehen, haben Sie oft einen Bruch zwischen dem Image, das sie projizierten, und der tatsächlichen Identität des Unternehmens festgestellt?

JL- Genau. Ich fand diese Unverbundenheit, die meistens darauf zurückzuführen war, dass ein ehrgeiziger Designer (und schließlich ein CEO) einen beeindruckenden, dramatischen Raum bauen wollte, zum Beispiel mit hohen Decken, freitragenden Elementen oder vertikaler Tageslichtbeleuchtung. Aber es gab keine Verbindung zwischen den Eigenschaften dieses Raums und dem, was das Unternehmen einzigartig machte. Daher wurde es eines der Hauptziele meines eigenen Unternehmens, diese Verbindung zwischen Markenkultur, Unternehmensidentität und Arbeitsplatzgestaltung zu fördern.

Eng verbunden mit diesen Zielen ist eines meiner populären Bücher mit IDEO, „The Ten Faces of Innovation“, dass das Thema der Innovation in Bezug auf verschiedene Arten von Denkweisen behandelt. In diesem Buch haben wir die Figur eines Anthropologen im Bereich Design und Business entwickelt. Mit dieser Figur identifiziere ich mich natürlich, vor allem, wenn ich die Möglichkeit habe, Unternehmen von innen heraus zu beobachten, und wenn ich die Motivationen analysiere, die ein bestimmtes Design leiten. Eine Möglichkeit, dies zu tun, besteht darin, die Partner und/oder Verantwortlichen einzubeziehen, um die Gründe für ihre Designentscheidungen für bestimmte Bereiche ihres Arbeitsplatzes besser zu verstehen.

Parallel zu meiner Forschung habe ich begonnen, experimentelle Innovationslabore zu organisieren, wobei die Beziehung zwischen Markenkultur und Arbeitsplatzdesign eines der Hauptthemen darstellt. Natürlich wollte ich diese Labs nicht in konventionellen (und langweiligen) Besprechungsräumen durchführen. Vielmehr wollte ich, dass sich die Teilnehmer mit verschiedenen Geschäfts- und Arbeitsumgebungen auseinandersetzen und diese erleben. Der erste Grund war, dass sie ein Verständnis für die Vielfalt möglicher räumlicher Layouts und Designs und deren Beziehung zur Kultur eines bestimmten Arbeitsumfelds gewinnen konnten. Der zweite Grund für die Organisation der Erlebnislabore auf diese Weise war, eine gewisse Aufgeschlossenheit und Inspiration für die Gebäudegestaltung des eigenen Unternehmens zu fördern. Nur um ein Beispiel zu nennen: In San Francisco haben wir ein einzigartiges und florierendes Fährhaus-Geschäftsviertel, das ich als Ausgangspunkt für die Immersions-Workshops nutze.

Neben den Gewerbegebieten wurden auch die Tech-Gründerzentren und später die Co-Working Spaces zu wichtigen Analyseobjekten für meine Labs. Vor allem Teilnehmer aus Europa und China waren sehr daran interessiert, die verschiedenen, über die Bay Area verteilten Gründerzentren zu besuchen und in die boomende Tech-Szene San Franciscos einzutauchen. Die “Notre Dame” einer meiner Touren ist der Apple Store, das Flaggschiff des Unternehmens in San Francisco, ein großartiges Beispiel für Design, das sowohl auf die Steigerung des Umsatzes als auch auf die Erhöhung der Kundenbindung ausgerichtet ist.

Selbstredend gibt es auch außerhalb von San Francisco hervorragende Beispiele für Arbeitsplätze, die Diskussionen über die Beziehung zwischen Markenkultur und Arbeitsplatzgestaltung veranschaulichen oder inspirieren.

Das vollständige Gespräch, in dem wir die Rolle von Arbeitsplatzumgebungen und ihre Beziehung zum öffentlichen Raum diskutieren, findest du im Kapitel Organisation & Prozesse von „Think Work Out of the Box“.

Wenn du auf dem Laufenden bleiben und weitere Informationen zum Buch erhalten möchtest, trage dich bitte in unsere Mailingliste ein.Um mehr über die Zukunft der Arbeit zu erfahren und wie die

Transformation des Arbeitsplatzes mit der Markenkultur verbunden sein wird, folge Studio Banana auf LinkedIn.